Kurzzeitgedächtnis

„Gott sei Dank gab es das Erdbeben in Japan!“, wird sich zurzeit Herr Gaddafi in Libyen denken. Nicht, dass er sich von öffentlicher Kritik sehr beeindrucken lässt, aber der Druck auf ihn aus der ganzen Welt wächst doch stetig, seitdem er angefangen hat, sein eigenes Volk abzuschlachten. Auch Sanktionen, die gegen ihn erlassen wurden, sind oft unwirksam, so dass Herr Gaddafi einfach weiter meucheln, töten und Verbrechen begehen kann.

Doch nun gab es ein verheerendes Erdbeben in Japan. Das schlimmste in der Geschichte des Landes seit dem Anfang der Erdbebenaufzeichnungen. Und schon richtet sich die Medienaufmerksamkeit auf diese zweifelsfrei große Tragödie. Die Geschehenisse in Libyen scheinen plötzlich vergessen zu sein, Gaddafi ist nur noch eine kleine Newsticker-Meldung im Randbereich der Homepages von Nachrichtenagenturen wert. Doch nicht nur für Gaddafi selbst, auch für die europäische Politik ist diese neue Misäre in Japan fast wie ein kleiner Befreiungsschlag, hat doch die Libyen-Debatte aufgezeigt, wie machtlos die UN dasteht. Reden schwingen müssen sie ja, die großen Politiker auf der ganzen Welt, handeln wollen sie dagegen nicht. Es wäre ja angeblich viel zu gefährlich und zu risikoreich, militärisch in den Libyen-Konflikt einzugreifen.

So vergisst die Welt den Krieg in Libyen und dessen Diktator. Und weiterhin sterben Menschen. Bald wird der Handel mit Libyen wieder aufgenommen. Und Blutgeld wird wieder fließen.

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